Mondkuss


Verlag Plaisir d'Amour

ISBN: 3938281219

Taschenbuch kaufen
eBookkaufen

 

Inhalt

 

Rafael ist schön wie ein Erzengel und von Männern und Frauen gleichermaßen begehrt - doch mit dem Thema "Liebe" hat der Callboy und Stripper abgeschlossen. Das ändert sich schlagartig als er eines Tages eine Frau erblickt, die ihn augenblicklich fasziniert. Er folgt der Unbekannten kreuz und quer durch die Stadt und denkt gar nicht daran, sich abwimmeln zu lassen. Tatsächlich schafft er es, die widerspenstige Marleen mit seinen exzellenten Liebeskünsten zu verführen und ihr eine nie gekannte Welt der sinnlichen Genüsse zu zeigen. Doch Marleen bereitet es Sorgen, dass Rafael jünger ist als sie und dass sie ihn nie für sich alleine haben wird. Sie beendet ihre erotische Beziehung abrupt. Alle Versuche Rafaels sie zurückzuerobern, prallen an ihrer kühlen Mauer aus Angst und Misstrauen ab. Als sie merkt, dass sie ohne ihren sündhaft schönen Callboy nicht leben kann, scheint es zu spät …

 

Anmerkung: Rafael ist der beste Freund von Leonard. Somit ist "Mondkuss" im weitesten Sinn eine Fortsetzung von "Zuckermond", steht jedoch vollkommen für sich. Allerdings wird es ein Wiedersehen mit den Romanfiguren aus "Zuckermond" geben.

 

"Mondkuss" ist ebenfalls

... als Taschenbuch-Lizenzausgabe beim "Ullstein Verlag" erschienen

Taschenbuch kaufen

 

 

... und als Lizensausgabe bei "Club Bertelsmann"

(vergriffen)

 

Leseprobe

 

Szene1:

Rafael versuchte unauffällig einen Blick durch die Fenster der Galerie zu werfen, was aber gar nicht so einfach war. Eine wahre Flut an Staffeleien - groß, klein, hoch, tief, lang, breit …ausgestattet mit wunderschönen Gemälden, für die er momentan allerdings keinen Blick hatte - versperrten ihm die Sicht. Mit einem optischen Sensor, der im Zickzack und um die Ecken linsen konnte, wäre es ihm sicherlich möglich gewesen, sich Einblick ins Innere der Galerie zu verschaffen, so aber war es ein Ding der Unmöglichkeit.

Also schritt er einige Male vor der Galerie auf und ab und probierte schließlich, einen Blick durch die bunten Butzenscheiben der Tür zu werfen. Doch unverhofft kommt oft, und ehe Rafael wusste wie ihm geschah, flog die Tür auf, die schöne Unbekannte eilte hinaus und stolperte geradewegs in seine Arme, ganz so, als gehörte sie dorthin.

"Entschuldigen Sie vielmals." Marleen löste sich aus seinem auffangenden Griff und atmete kurz aus. Als sie im nächsten Augenblick sah, wen sie da fast über den Haufen gerannt hatte, schnappte sie nach Luft. "Sie?" Heute war definitiv nicht ihr Tag! Erst Ruth, die sie mit ihrem analytischen Blick fast bis auf den Grund ihrer Seele durchleuchtet hatte, dann der Spontankauf des Bildes, welches absolut nicht in ihre Wohnung passte, nur um der Freundin zu beweisen, dass sie nicht so festgefahren war wie diese glaubte, und nun traf sie erneut auf diesen verteufelt gut aussehenden Kerl.

"Sehr erfreut!" Er lächelte ungezwungen charmant und hatte es sichtlich genossen, sie in den Armen gehalten zu haben.

Marleen hob unwillig eine Augenbraue und erwiderte seinen Blick. Allerdings nicht mit einem ebenso bezaubernden Lächeln wie er, sondern mit kühler Distanz. Nur gut, dass sie im Laufe ihres Lebens ein perfektes Geschick darin entwickelt hatte, nach außen hin ruhig, kühl, gelassen und unnahbar zu wirken, auch wenn in ihrem Innersten der Teufel los war. Dies war auch bitter nötig gewesen, um es im Leben so weit zu bringen, wie sie es geschafft hatte. Sie hatte es wahrhaftig nicht leicht gehabt, etwas aus ihrem Leben zu machen und die Karriereleiter aufzusteigen. Im Waisenhaus aufgewachsen hatte sie so manche Hürde nehmen müssen, um ihr Lebensziel zu erreichen, was zwar nicht unbedingt gut gewesen war, aber eindeutig dazu beigetragen hatte, sie zu der Persönlichkeit zu formen, die sie heute war. Voller Entsetzen spürte sie ein seltsames Ziehen, ausgehend von ihrer Magengegend bis zu ihren Brustspitzen. "Sie sind mir gefolgt?!"

"Ertappt! Ich bekenne mich schuldig. Wie lautet Ihr Urteil? Ich hoffe, es fällt gnädig aus." Vergnügt zwinkerte er ihr zu. In bester Flirtlaune. Hätte ihm vor einer Stunde jemand gesagt, dass er in absehbarer Zeit mit einer Unzahl Schmetterlinge im Bauch und sündigen Gedanken im Kopf einer wildfremden Frau den Hof machen würde, er hätte denjenigen für verrückt erklärt.

"Warum?"

"Warum was?"

"Warum sind Sie mir gefolgt?"

Er beugte sich leicht vor, senkte die Stimme und blickte ihr tief in die Augen. "Instinkt? Schicksal? Bestimmung? Und um herauszufinden, welche Augenfarbe unsere Kinder haben werden!"

Marleen riss den Mund auf, brachte aber keinen Ton hervor. Dieser Kerl war unglaublich. Unglaublich schockierend, sexy, gut aussehend und frech. Eine Mischung, die ihr durchaus gefiel, ihr aber auch sehr gefährlich werden konnte … die die Macht hatte, ihr Leben aus dem Konzept zu bringen und ihre Gelassenheit anzukratzen. Und wenn sie eines ganz genau wusste: Sie hatte nicht vor, dies zuzulassen.

"Machen Sie das eigentlich bei jeder wildfremden Frau?"

"Was?"

"Quatschen Sie jede Frau einfach so an?"

Tausend Teufelchen tanzten in Rafaels Augen, als er erwiderte: "Macht das einen Unterschied?"

"Ja … ich meine, nein … natürlich nicht. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen. Ich habe zu tun."

"Wovor haben Sie Angst?" Rafael trat einen Schritt auf sie zu und strich ihr eine vorwitzige Haarsträhne auf dem Gesicht. Marleens Herz setzte für einen Moment aus, als seine angenehm warmen Finger ihre Schläfen streiften.

"Wie kommen Sie darauf, dass ich Angst haben könnte? Vielleicht sind Sie mir einfach nur lästig."

"Bin ich das wirklich?"

Sag ja und lauf weg! "Ich …", sie brach ab und schob seine Hand beiseite, die sich unter ihr Kinn gelegt hatte.

"Mein Name ist übrigens Rafael und es freut mich, Sie kennenzulernen." Bei diesen Worten betonte er jede einzelne Silbe so, als würde er sagen: Ich will dich … mit Haut und Haar.

Marleen war sprachlos und unfähig, sich zu rühren. Dieser unverschämte Kerl stand viel zu dicht vor ihr. Sie schluckte. Dann sah sie ihn an und bemerkte mit leichtem Beben, wie warm und doch gleichzeitig frech seine Augen lächelten. Er hatte dunkle, fast schwarze Augen, Wimpern, um die ihn jede Frau beneiden würde, einen überaus sinnlichen Mund, in dessen rechter Ecke ein Grübchen tanzte und atemberaubend schöne Gesichtszüge. Fast schon zu schön für einen Mann. Sie schätzte ihn auf Mitte zwanzig und überschlug innerhalb von Sekundenbruchteilen, dass er damit etwa zehn bis zwölf Jahre jünger war als sie mit ihren sechsunddreißig Jahren. Kerle wie ihn sollte man augenblicklich aus dem Verkehr ziehen. Sie sind eindeutig zu attraktiv und sexy. Marleen konnte nicht anders, als ihn unauffällig zu mustern. Die eng geschnittene, schwarze Lackhose war für ihren Geschmack zu flippig und passte absolut nicht in das Schema, in welches sie gute Bekleidung einordnen würde. An ihm allerdings gefiel sie ihr seltsamerweise. Sie betonte seine schmalen Hüften und ließ erahnen, welch entzückendes Hinterteil sich darunter zu verbergen schien. Es fühlt sich sicherlich himmlisch an, beide Hände darauf zu legen und leicht zuzudrücken.

Sie rief sich zur Ordnung und schaffte es gerade noch rechtzeitig, ein verzücktes Seufzen zu unterdrücken. Nun starr ihn nicht so an. Hast du noch nie einen attraktiven Mann gesehen? Na also! Und nun Haltung, wenn ich bitten darf! Mit wackligen Beinen trat sie einen Schritt zurück. Als sie seinen Blick bemerkte, der langsam über ihren Körper wanderte und auf den harten Spitzen ihrer verräterischen Brüste verweilte, die sich fast schon schmerzhaft gegen den Stoff ihrer Bluse drängten, wurde sie eine Spur nervöser … wenn das überhaupt möglich war.

Dennoch schaffte sie es erneut mit Bravour, ihre innere Aufruhr ganz tief in sich zu vergraben und kühle, leicht überhebliche Gelassenheit vorzutäuschen. "Genug gesehen? Gut, dann kann ich ja nun endlich gehen. Einen schönen Tag noch." Mit hoch erhobenem Kopf wandte sie sich ab und entfernte sich raschen Schrittes.

Rafael sah ihr versonnen nach. Was für eine Frau! Er dachte im Traum nicht daran, sich so leicht abschütteln zu lassen. Mit einem abenteuerlustigen Grinsen begann er erneut ihr zu folgen. Unauffällig. Langsam. Immer darauf bedacht, nicht von ihr entdeckt zu werden. Aber dennoch zielstrebig...

 

 

Szene 2:

Ihr Arbeitstag war vollgestopft mit Terminen. Als es etwas ruhiger wurde, beschloss Marleen bei einer guten Tasse Kaffee schon lange vernachlässigte Unterlagen zu ordnen. Sie hatte kaum hatte damit begonnen, als es an der Tür klopfte, und die Sekretärin eintrat.

"Da ist ein neuer, unangemeldeter Mandant, der nachfragt, ob es möglich sei, kurzfristig einen Termin zu bekommen. Er ist vollkommen verzweifelt und behauptet, dass nur Sie ihm helfen könnten."

"Na schön. Bitten Sie ihn herein."

Eilig raffte sie ihre Unterlagen wieder zusammen und blickte zur Tür, als diese mit Schwung aufgerissen wurde. Ihre Augen weiteten sich, und sie wusste nicht, ob sie ihnen in diesem Moment trauen konnte, denn niemand Geringerer als Rafael kam auf sie zu. Sofort spürte sie, wie sich ein warmes Kribbeln in ihrem Körper ausbreitete, und ihre Beine zu zittern begannen. Vorsichtshalber blieb sie sitzen. Sie warf ihm einen ärgerlichen Blick zu, straffte die Schultern und zischte:

"Was willst du? Und was fällt dir ein, dich mit einem derartig schamlosen Trick bei mir einzuschleichen? Oder willst du mir jetzt etwa weismachen, dass du dringend die Hilfe eines Anwaltes benötigst?"

Er grinste unverschämt. "Mal im Ernst, hättest du einem Wiedersehen zugestimmt, wenn ich dich angerufen hätte?"

"Nein."

"Siehst du. Also blieb mir lediglich dieser kleine Trick."

"Eins zu Null für dich, aber das wird dich auch nicht weiter bringen, denn dies wird unsere letzte Begegnung sein."

"Da bin ich mir nicht so sicher." Er ließ seinen Blick unverfroren über ihre Gestalt gleiten. "Dennoch werde ich diese Stunde auskosten. Schließlich bezahle ich für die Zeit, die ich dich in Anspruch nehme. Wie ein normaler Mandant."

"Von dir nehme ich kein Honorar."

"Schon erledigt."

"Meine Sekretärin wird es dir zurückgeben."

"Nein, danke." Rafael lächelte gelassen und blickte sich interessiert um. Marleens Ärger wuchs.

"Also, was willst du?" Er verneigte sich mit einem schelmischen Grinsen, setzte sich ihr gegenüber und streckte seine langen Beine aus, die in schwarzen Lederhosen steckten. "Sorry, dass ich dich so überfalle. Aber ich wollte dich so schnell wie möglich wieder sehen. Schlimm?"

Wie er so dasaß, ganz selbstverständlich und mit frech funkelnden Augen, das hatte etwas, was unter die Haut ging. Ihr Herz hämmerte, und nur mit Mühe konnte sie ein Lächeln unterdrücken. In ihrem Innern kämpften Wut und Freude, äußerlich allerdings zwang sie sich zur Ruhe.

"Nun, ich bin überrascht."

"Überrascht … na, das ist doch immerhin ein Anfang. Zumindest bist du mir nicht böse. Auch wenn es mir wesentlich besser gefallen hätte, wenn du statt überrascht, unendlich erfreut wärst." Seine Augen flirteten mit ihr, was Marleen tunlichst zu ignorieren versuchte. Sein undefinierbarer Blick tauchte in den ihren ein. Ihre Verwirrung wuchs. Er hatte die Kontrolle über sie und die ganze Situation gewonnen - und das war ungewöhnlich, denn meistens war sie diejenige, die die Kontrolle besaß - vor allem in ihrem Büro.

"Weißt du eigentlich, dass ich deinen wunderschönen Augen hoffnungslos verfallen bin? Außerdem hast du einen Kussmund, der allerdings wesentlich positiver zur Geltung käme, wenn du deine Lippen nicht so heftig zusammenpressen würdest."

"Und du hast ein vorlautes Mundwerk."

Rafael brach in schallendes Gelächter aus.

"Hab ich das? Nun, ich sage lediglich die Wahrheit. Und du kannst anscheinend nicht mit Komplimenten umgehen."

"Das kann ich sehr wohl. Nur habe ich ein Problem damit, wenn man sich als Mandant bei mir einschleicht und …" Sie brach ab.

"Ja?"

"Du weißt sehr wohl, was ich meine."

"Ich weiß nur, dass es erfrischend ist, sich mit dir zu unterhalten, und dass ich dich gerne näher kennenlernen würde."

Verlegen wich Marleen seinem Blick aus. Sie hatte das Gefühl, das sonst die Gefahr bestand, auf der Stelle wie Butter in der Sonne zu zerschmelzen. Schnell erhob sie sich, griff nach ihrer leeren Kaffeetasse.

"Darf ich dir einen Kaffee anbieten?"

"Gern."

Mit zitternden Händen reichte sie ihm seine Tasse und vermied es, seinem Blick zu begegnen. Bevor sie sich wieder setzte, strich sie kurz über ihren Rock. Zum Glück hatte sie heute Morgen ihr smaragdgrünes Kostüm angezogen, welches ihr hervorragend stand. Dies gab ihr zumindest ein klein wenig das Gefühl von Sicherheit während seiner Anwesenheit. Wie ein Raubtier verfolgte Rafael ihre Bewegungen.

"Was willst du von mir?" Ihre Stimme zitterte.

"Weißt du das immer noch nicht?"

"Ich mag es nicht, wenn eine Frage mit einer Gegenfrage beantwortet wird."

"Wenn du mir die Chance auf ein Wiedersehen gibst, werde ich mir dies hinter meine Ohren schreiben."

"Du gibst wohl nie auf, was?"

"Nur, wenn es offensichtlich aussichtslos scheint. Und da ich es unendlich genieße, mich in deiner Gegenwart aufzuhalten, klammere ich mich natürlich an den Strohhalm Hoffnung und daran, dass eine winzige Chance auf ein Wiedersehen besteht."

Marleen öffnete den Mund, um etwas Bissiges darauf zu erwidern, doch sie brachte keinen Laut hervor. Rafaels Blick fixierte sie … verwirrte sie … war gnadenlos.

"Ich hatte letzte Nacht übrigens einen schönen Traum", unterbrach Rafael die Stille, in der eine geraume Zeit lang lediglich das Ticken der großen Wanduhr zu hören gewesen war. "Ich habe eine Göttin gesehen. Sie war in ein weißes langes Gewand gehüllt, ihr langes dunkles Haar fiel bis über die Schultern herab. Sie ging vor mir … nein … sie schritt! Und jeder Schritt zeigte doch ihre Unnahbarkeit. Müsste ich ihre Erscheinung beschreiben, so kommt mir nur das Wort ‚edel' in den Sinn."

Nervös nippte Marleen an ihrem Kaffee. Sie musste sich eingestehen, dass sie ihn nach wie vor umwerfend fand, und sich am liebsten in seine Arme gestürzt hätte. Doch sie verstand es fabelhaft, diese verräterischen Gedanken und Gefühle in den tiefsten Winkel ihres Inneren zu verbannen.

"Und dann?"

"Sie wandte sich zu mir um, warf mir ein strahlendes Lächeln zu. Geblendet wandte ich mich ab, und dann war sie plötzlich weg."

"Tja, Chance verpasst!"

"Es gibt keine verpassten Chancen, sondern nur Chancen, bei denen ich mich entschlossen habe, sie nicht wahrzunehmen." Er stand auf und trat auf sie zu.

"Aber diese hier nutze ich gern." Er ergriff ihre Hand und zog sie zu sich auf die Beine. Marleens Atem ging stoßweise. Ihr gesenkter Blick und das Beben ihrer Mundwinkel gaben ihr etwas Verletzliches. Sacht legte Rafael seine Hand unter ihr Kinn, sodass sich ihr Blick langsam hob. Mit einer einzigen fließenden Bewegung umfasste er ihre Taille und setzte sie auf den Schreibtisch. Ihre Lippen öffneten sich verblüfft … ihre Hände stemmten sich abwehrend gegen seine Brust. Doch ihre Augen verrieten sie. Rafael beugte sich leicht vor, sein Atem kitzelte sie angenehm, als er ihr ins Ohr raunte: "Du hast genau zwanzig Sekunden Zeit, um mir zu sagen, dass ich gehen soll."

Marleens Brüste hoben und senkten sich hektisch in ihrem Bemühen, ihre Lungen mit Luft zu füllen. Sie fühlte sich atemlos. Geh! Los - mach, dass du wegkommst, schoss es ihr immer wieder wie ein Mantra durch den Kopf. Doch ihre Lippen blieben stumm.

Rafaels Zeigefinger zog die Linie ihrer Lippen nach. Dann drehte er sich um und schritt zur Tür. Marleen bewegte sich nicht. Keinen einzigen Millimeter. Enttäuscht blickte sie ihm nach, wünschte sich allerdings gleichzeitig, er möge für immer verschwinden.

Wie gebannt blickte sie auf seine Gestalt und nahm nur schemenhaft wahr, dass er die Tür verriegelte und zu ihr zurückkam. In ihren Ohren begann es zu rauschen. Ein paar Minuten lang hörte sie nichts - nur ihren Herzschlag. Sie ließ es zu, dass er sie nach hinten drückte, bis sie, auf Ellbogen gestützt, halb auf dem Rücken lag. Zunächst presste sie impulsiv ihre Schenkel zusammen, präsentierte ihm eine Abwehrhaltung - wenn auch unglaubwürdig. Als er jedoch ihren Rock nach oben schob und die Innenseiten ihrer Schenkel zart wie eine Feder zu berühren begann, wurde ihr Körper weich und nachgiebig. Sie wehrte sich nicht, als er ihre Schenkel leicht spreizte.

Ihre Haut prickelte, glühte dort, wo er sie berührte. Seine Hände strichen an ihren Schenkeln hinab, verweilten in ihren empfindsamen Kniekehlen und tasteten sich weiter abwärts, bis sie ihre schmalen Fesseln erreicht hatten. Dann streifte er ihr die Pumps von den Füßen, und ließ seine Hand kurz über ihre Knöchel gleiten.

Er trat einen Schritt zurück, ging ein paar Schritte um den Schreibtisch herum und betrachtete sie mit einem langen Blick. Marleen erbebte. Rafael stand nun genau vor ihr. Sie lag mit gespreizten Beinen da, sodass er unter ihren hochgeschobenen Rock blicken konnte bis zum weißen Hügel ihres Seidenslips.

Er griff nach einer Schere, die auf dem Schreibtisch lag, fuhr mit der stumpfen Seite der Schneide langsam die Außenseiten ihres linken Beines hinab und arbeitete sich am rechten Bein wieder aufwärts. Dann waren die Innenseiten ihrer Schenkel an der Reihe. Marleen rang nach Luft. Ihr Körper begann zu zittern, sie keuchte unwillkürlich auf, als die Scherenspitze Kreise auf ihrem Venushügel zu ziehen begann. Rafael betrachtete ihr glühendes Gesicht. Dann schob er die Spitze von einer der beiden Klingen geschickt in die feinen Maschen der Nylonstrümpfe und begann sie von oben bis zu ihren Knöcheln aufzuschneiden.

 

Szene 3:

Marleen folgte Rafael in die schummrige Bar. Ein eigentümlicher Geruch lag in der Luft. Angenehm, aber seltsam schwer und zu Kopf steigend.

Stimmengewirr, Gläserklingen, das Klacken von Absätzen, Lachen, helle Frauenstimmen, sinnliche Musik und eine erhöhte Tanzfläche, auf der sich eine junge Frau aufreizend an einer Tanzstange bewegte. Die Zeit des Vergnügens und des Leichtsinns hatte begonnen.

Die zahlreichen Gäste tanzten, lachten, tranken. Das Innere der Bar wurde durch unzählige Lichterketten und Kerzen in ein schummriges Licht getaucht. Eine Vielzahl von Spiegeln reflektierte das Licht, das schwarze Holz des Tresens schimmerte wie dunkles Wasser. Leicht bekleidete Frauen jeden Alters saßen träge an der Bar, nuckelten genüsslich ihren Cocktail durch einen Strohhalm und warfen dem attraktiven Barkeeper, der für seine Cocktails bekannt war, begehrliche Blicke zu.

Marleen war einer schieren Reizüberflutung ausgesetzt. Wusste nicht, wo sie zuerst hinschauen sollte, sog die fremde Atmosphäre gierig in sich auf und spürte ein leichtes Kribbeln in ihrer Magengegend, was daher rührte, dass sie das alles hier mehr als aufregend fand. Innerlich schüttelte sie über sich selbst den Kopf, denn hätte ihr jemand vor ein paar Tagen geweissagt, sie würde ein derartiges Etablissement betreten und sich auch noch wohl fühlen, sie hätte denjenigen für verrückt erklärt. Die schwüle Atmosphäre raubte ihr fast den Atem. Umhüllte sie wie ein verführerischer Gastgeber und lud sie ein, sich einzulassen ... einzutauchen ... zu genießen.

Sie schloss für einen Moment die Augen, sog den sinnlichen Geruch auf, der in der Luft lag und atmete einmal tief durch. Sie war bereit! Die Bar war voll, und Rafael schien fast jeden zu kennen. Spärlich bekleidete Menschen – sowohl Männer als auch Frauen saßen an kleinen Tischen und nippten an ihren Cocktailkelchen.

„Champagner für Rafael und seine reizende Begleitung“, rief eine der Bardamen, eine dunkelhaarige, schon in die Jahre gekommene Frau mit bronzener Hautfarbe und Augen so klar und blau wie ein Bergsee.

Rafael nickte ihr lächelnd zu und bahnte sich einen Weg zu einer Nische mit Blick auf die Tanzfläche. Die Gäste, die größtenteils in der Mitte des Raumes standen und gebannt auf das tanzende Mädchen starrten, machten bereitwillig Platz für zwei auffallend hübsche junge Frauen, die sich einen Weg durch das vollbesetzte Lokal suchten. Die eine war zart, grazil, blond und trug ein violettfarbenes, tief dekolletiertes Satinkleid, die andere war etwas größer, hatte rehbraunes glänzendes Haar, eine eher üppige Figur und trug ein grünes Samtkleid, welches ihr makelloses Dekolleté betonte. Die beiden Schönheiten lehnten sich an den glänzenden Tresen, nahmen lachend die Drinks entgegen, die man ihnen wie selbstverständlich reichte, nippten kurz und waren bald in ein Gespräch mit Gästen – vor allem Verehrern – vertieft. Sie lachten kokett und mädchenhaft, genossen die bewundernden Blicke.

Rafael setzte sich Marleen gegenüber, folgte ihrem interessierten Blick und lächelte. „Das sind zwei der Tänzerinnen des Clubs. Kleine Stars in der Szene, die schon für manche Überraschung gesorgt haben.“

„Du bist oft hier?“

„Könnte man so sagen.“ Er schmunzelte, hob sein Glas und stieß augenzwinkernd mit ihr an. Dann stellte er sein Glas ab, streckte eine Hand unter den kleinen runden Tisch und raunte: „Gib mir deinen Fuß.“ Rafaels Blicke hinterließen eine heiße Spur auf ihrem Körper, berührten sie wie liebkosende Hände. Sie wanderten über ihr Gesicht, ihren Hals, weiter hinab zu ihren Brüsten, die sich durch ihre Atmung anmutig hoben und senkten. Sie hing an seinen Lippen. Gehorsam hob sie ein Bein an und legte ihre Fessel in seine wartende Hand, während sie hastig ihr Champagnerglas leerte.

Der Alkohol stieg ihr sofort zu Kopf, denn sie hatte den ganzen Tag über so gut wie nichts zu sich genommen. Sein Daumen, der ihren Fuß liebkoste, machte sie ebenso schwindelig wie der Blick in die unzähligen Spiegel ringsherum, die die intime Atmosphäre des Clubs ins Unendliche zu vervielfältigen schienen. Ihre Poren sogen sich voll, nahmen die sinnliche Schwere vollkommen in sich auf, und sandten lustvolle Schauer durch ihren Körper.